Er startete als Bösewicht in einer Gefängnisserie und erlebt heute als Account Director „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bei Edenspiekermann: Die steile Karriere des Manfred B. – jetzt im ESPI-Interview.

Wir sitzen am Fenster der großen Küchen-Kantine-Cafeteria bei Edenspiekermann und schauen über die Dächer Berlins, West. Erstmal Kaffee. Manfred hat Lampenfieber, trotz seiner Erfahrung als Schauspieler und Fotomodell. Wir plaudern uns warm und genießen die Aussicht. Vielleicht eine unauffällige Überleitung probieren...

1. Manfred, wie muss ein Projektmanager sein: die wichtigsten drei Eigenschaften?

Er bricht in schallendes Gelächter aus: „Lustig oder ernst? Na, wie ich: reich, gutaussehend und eloquent! Neiiin, nicht schreiben!!!“

Er sammelt sich: „Also ich denke man muss wirklich, ganz im Ernst, viel Einfühlungsvermögen haben für die Auftraggeber. Du musst Verständnis haben, bisschen hinter die Kulissen blicken. Verstehen, was die wirklich möchten. Als Projektmanager brauchst du ein hohes Maß an – kein schönes Wort, aber trotzdem: Dienstleistungsmentalität. Und du musst natürlich auch... ja, stressresistent sein. Das hört sich immer so negativ an...“ Er schaut raus (in sich hinein?), überlegt, verzieht den Mund...

2. Nicht unbedingt. Welche von den dreien ist deine Lieblingseigenschaft?

„Meine Lieblingseigenschaft?“ Sofort hellt sich seine Miene wieder auf. Deutlich erfreuteres Überlegen, jetzt. (Wir drehen und wenden die Frage: Lieblingseigenschaft beruflich/persönlich, welche ist ihm zuerst eingefallen...)

„Da ist mir gleich die Dienstleistungsmentalität eingefallen. Mmmh.“ Wieder sieht er nicht begeistert aus. (Falsche Frage?) Dann ein Ruck, und sehr entschieden: „Ich würde das eher ein bisschen anders nehmen. Ich finde, du kannst nur ein guter Projektmanager sein, wenn du so eine Liebe zum Produkt hast, um das es sich dreht. ,Produkt’ passt vielleicht nicht, aber du weißt, was ich meine.“ – „Wieso nicht: das Produkt, das Angebot, die Dienstleistung des Auftraggebers.“ – „Genau“, seine Augen blitzen, „also meine Liebe zu Schüttgut-Technik zum Beispiel hält sich in Grenzen.“ Lachpause.

Wir sammeln uns. Sehr ernster Blick: „Idealerweise ist es so, wenn du als Projektmanager – und Account Director, ist ja klar – vom ,Produkt‘ des Auftraggebers so eingenommen, so gefangen bist, dass dann quasi dein Herz dafür brennt – ist das jetzt zu kitschig? – und du gleich so ein Bild siehst: Wie könnte das weitergehen. Was ist der momentane Status. Und du siehst ein Bild, was kommt. Im Ernst, man ist schon ein Visionär. Mit den Designern und den anderen Kollegen zusammen wird das dann zu einem einheitlichen Bild. Das ist für mich wirklich genau das, was es letztendlich ausmacht.“

Puh.

„Du weißt, was ich meine, oder? Man ist ja nicht wie ein Sachbearbeiter, der Fälle von A bis Z bearbeitet.“

Prust, kicher ...

„Oder S-C-H wie Schüttgut-Technik! Aber im Zweifelsfall würden wir uns auch dafür begeistern. Bis jetzt jedenfalls war doch jedes Thema spannend.“

2b. Kurze Zusatzfrage, Manfred: An welchem Thema arbeitest du gerade?

„Über das ganz aktuelle Projekt dürfen wir ja noch nicht sprechen, warte mal... Der Change Prozess bei Bosch zum Thema Gender! Ja, die Diversity-Kampagne. Was ich toll fand, von Anfang an, dass es A wirklich ein internationales, nicht regional beschränktes Projekt ist. Und B ein unglaublich wichtiges Thema für Firmen in Zukunft. Und ich find’s auch spannend, dass du bei diesem Projekt, das ja jetzt schon über Monate ging, auch wirklich was gelernt hast. Der demografische Wandel ist vielen Firmen noch nicht klar. Es kommen aber solche Themen in den Vordergrund. Das ist einfach so. Es geht ja nicht nur um den Frauenanteil, es geht zum Beispiel auch um Alterstrukturen – ein sehr wichtiges Thema für die Wirtschaftsleistung unseres Landes.“

3. Zum Abschluss: ein Lieblingsort?

Manfred lacht wieder schallend: „Jetzt muss ich aber gut überlegen, dass ich jetzt nicht Sofa sage! Oder Bett!!! Lieblingsort, oh Mann, da gibt es viele...“ – Blick aus dem Fenster (schöne weite Sicht heute), Blick ernst zurück: „Ich glaube einer meiner Lieblingsorte, wo ich wirklich abschalten kann, ist der Balkon. Zuhause. Ich könnte ja jetzt sagen, ’ne Bar, ’ne Kneipe ... Nein, es ist einfach so: zuhause. Ein Stück heiles Charlottenburg!“ Lachen. „Du bist da halt nicht von Party-People umringt. Wir haben auch so eine tolle Mischung im Haus, das genieße ich. Das ist für mich auch so ein Teil von Diversity.“

Kein Wunder, der Mann blickt selbst auf einen vielfältigen Weg zurück: Nach seinem Grafik-Design-Studium („doch nicht mein Ding“) geht er zum Fernsehen und macht ein Praktikum bei „Liebe Sünde“. Seine Schauspielkarriere startet er als „Laborleiter Dr. Robert Schmidt“ in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und wechselt dann ins Fach der Bösewichter. Im Ernst, Manfred Blattner war „der Schließer“ in der Frauengefängnis-Serie „Hinter Gittern“. Heute, nach rund 15 Berufsjahren in Kommunikationsagenturen, betrachtet er das als „Phase nach dem Studium“, lässt sich nur noch selten zu Jobs als Werbe-Testimonial überreden – und bleibt seiner tragenden Rolle bei ESPI hoffentlich noch lange treu.

Lieben Dank, Manfred!

Manfred Für Blog PostFoto: privat